Die Geheimnisse der Bienenapotheke
WUNDERSAME SCHATZTRUHE– DIE BIENENAPOTHEKE
KLEINE HONIGKUNDE: ENTSTEHUNG, INHALTSSTOFFE, EIGENSCHAFTEN UND HEILWIRKUNGEN
Die Honigherstellung stellt einen komplexen Vorgang dar, dessen Ergebnis davon abhängt, dass jede Biene ihre ganz speziellen Aufgaben zuverlässig erfüllt. Im Bienenstock herrscht perfekte Arbeitsteilung und -organisation. Bienen sind soziale Lebewesen und aufeinander angewiesen. Der so genannte Bienenstaat besteht aus einer Bienenkönigin, den Arbeiterinnen und den Drohnen. Die Bienenkönigin wird von den Drohnen begattet und legt Eier, aus denen die Nachkommen schlüpfen. Außerdem hält sie ihre Untertanen zusammen: sie wird von ihnen an ihrem unverwechselbaren Körpergeruch erkannt. Die Arbeiterinnen haben zur Aufgabe die Brutpflege, die Königinnenpflege und -schutz, das Sammeln von Nektar und die Herstellung von Honig und anderen wichtigen Substanzen sowie die Verteidigung des Bienenstocks gegen Eindringlinge.
Der Honig entsteht in einem aufwändigen Prozess, der uns Menschen vor Augen führt, wie intelligent und vollkommen die Schöpfung ist, und uns vielleicht ein wenig mehr verpflichtet, unserer Mutter Natur gerecht zu werden. Dabei erfüllen Tier und Pflanze den jeweils ihrer eigenen Existenz innewohnenden Sinn, und ergänzen sich gegenseitig, d. h. sie helfen einander. Die Pflanze braucht die Biene zur eigenen Vermehrung, da Bienen, während sie Blütennektar aufnehmen, die Pflanzen mit Pollenstaub aus den Blüten bestäuben, der an ihren Beinchen haften geblieben ist. Auf diese Weise wird die Befruchtung der Pflanze ermöglicht. Die Biene ihrerseits braucht die Pflanzen-Säfte zur Honigherstellung und die Blütenpollen zur Aufzucht ihrer Brut. Somit verbindet diese beiden Lebewesen tiefe Freundschaft und fruchtbare Partnerschaft. Die Pflanzen locken Insekten mit der Farbenpracht und dem betörenden Duft ihrer Blütenblätter an, der von darin enthaltenen ätherischen Ölen herrührt. Letztere sind dann auch in unterschiedlichen Mengen in den Bienenprodukten enthalten. Nachdem die Honigbiene dank der entsprechenden Lockstoffe die Pflanze geortet hat, landet sie auf einer ihrer Blüten und nimmt Nektar mit ihrem Saugrüssel auf. Der Nektar stellt eine flüssige zuckerhaltige Substanz dar, die die Saftdrüsen, so genannte Nektarien, absondern, und die wichtige Nährstoffe enthält. Im Magen der Biene findet anschließend unter Einwirkung bestimmter Enzyme (Fermente) die Umwandlung der Ausgangsstoffe in Honig statt. Dieser Prozess wird Fermentation (Gärung) genannt. Nachdem der Honig noch einer weiteren Bearbeitung zum Erreichen der richtigen Konsistenz unterzogen wurde, wird er in Waben gelagert, aus denen ihn später der Imker herausschleudert.
Ein russischer Forscher namens Tschitschin beobachtete, dass viele Imker, die täglich ihren Honig aßen, über 100 Jahre alt waren. Diese Tatsache ließ ihn den Rückschluss ziehen, dass Honig gesundheitsfördernde und lebensverlängernde Eigenschaften besitzen muss. Honig enthält wichtige Nährstoffe, die für einen optimalen Stoffwechsel unentbehrlich sind, und damit der Erhaltung der Gesundheit dienen. Größtenteils besteht dieses wunderbare Naturprodukt aus so genannten Sacchariden, biologischen Zuckerstoffen, die 80 % aller darin enthaltenen Substanzen ausmachen. Diese Kohlenhydrate setzen sich vorwiegend aus Einfachzuckern (Monosachariden) zusammen.
Die Vielfachzucker machen einen deutlich geringeren Anteil des Gesamtzuckergehalts aus, nämlich ca. 10 %. Zu den Einfachzuckern gehören die Glucose und die Fructose. Beide werden relativ schnell vom Körper resorbiert, womit sie innerhalb kürzester Zeit in der Lage sind, das Energiepotenzial zu erhöhen. Außerdem erfordern diese einfachen Zucker keine chemische Umwandlung. Daher belasten sie den Stoffwechsel nicht im Geringsten. Ferner enthält Honig wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente, die geeignet sind, eine eventuell vorhandene Unterversorgung auf natürliche Weise auszugleichen. Zu nennen wären u. a. Kalzium, Magnesium, Natrium, Kalium, Phosphor, Eisen, Kupfer, Mangan. Besondere Aufmerksamkeit verdient der hohe Enzym-Gehalt. Enzyme sind Eiweiß-Verbindungen, die an wichtigen biochemischen Prozessen im Organismus beteiligt sind, indem sie katalysatorische Funktionen erfüllen. Katalysatoren können Stoffumsetzungen herbeiführen, verlangsamen oder beschleunigen. Zahlreiche Enzyme sind im Honig nachgewiesen worden.
Die so genannte Invertase beispielsweise setzt Polysaccharide (Vielfachzucker) in Monosaccharide (Einfachzucker) um, die, wie oben erwähnt, besser und leichter verwertbar sind. Die Diastase beteiligt sich am Abbau von Stärke. Die Glucose-Oxidase ist von besonderer Bedeutung für den Schutz vor krank machenden Bakterien, die Mund-, Magen-, Darmschleimhäute, Wunden, Atemwege und wichtige Organe befallen. Dieses Enzym hemmt die Entwicklung der Erreger, und wird daher auch Inhibin, nach dem lateinischen Wort „inhibere‘‘ (= hemmen), genannt. Auch bei Menschen mit beeinträchtigter Verdauung (z. B. aufgrund von Enzymmangel) verdienen die im Honig enthaltenen Enzyme Beachtung. In diesem Fall lohnt sich der Versuch einer Honig-Kur.
Der Hormon-Gehalt ist auch nennenswert, da Hormone wichtige Stoffwechsel-Vorgänge im Organismus steuern. So übt das Acetylcholin, ein Gewebshormon, eine günstige Wirkung auf das Herz und andere Organe aus. Dank seiner Gefäß erweiternden Funktion schützt es vor Infarkten. Zudem ist Acetylcholin in der Lage, Nervenimpulse von einem Nerv zu einem anderen zu übertragen, was die Leistungsfähigkeit des Herzens unterstützt. Interessant ist außerdem die Tatsache, dass mit Hilfe der antibiotischen Eigenschaften des Honigs Penicillin-resistente Staphylokokken, die Wundinfektionen verursachen, erfolgreich bekämpft werden können. Zu guter Letzt sei auf den Säuregehalt hingewiesen. Unter Einwirkung von Enzymen entsteht bei der Honigproduktion Gluconsäure, die eine natürliche Konservierung der Wirkstoffe gewährleistet. Weiterhin sind geringe Mengen biologischer Säuren wie Zitronen-, Ameisen-, Milchsäure enthalten, die allesamt eine positive Wirkung auf die Verdauung haben. Alles in allem ist die wohl abgestimmte Komposition aller Nähr- und Wirkstoffe im Honig besonders geeignet für eine gesunde Ernährungsweise. Doch die Bienenapotheke bietet noch viel mehr.